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Gesellschaftlicher Mehrwert statt schnellem Exit: Auf der Suche nach dem Social Impact Unicorn Colab Quarterly

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Wie lassen sich soziale Innovationen skalieren? Wie kann ein Social Impact Unicorn entstehen? Einblicke in die Münchner Social-Entrepreneurship-Landschaft und darüber hinaus.

Skalierung gehört für alle Startups zum Erfolg. Im Bereich sozialer Innovationen liegen die Hürden dabei besonders hoch, sagt Michael Stockerl, Leiter der Digital Product School bei UnternehmerTUM und Initiator von Social Impact Republic - einem bundesweiten Netzwerk, das Tech und Social Entrepreneurship zusammenführt, um skalierbare Lösungen für soziale Herausforderungen zu fördern. „Wer heute gesellschaftliche Herausforderungen lösen will, landet oft in der Sackgasse. Während wir für rein profitorientierte Geschäftsmodelle über Jahrzehnte 5-spurige Autobahnen gebaut haben, müssen sich wirkungsorientierte Gründerinnen und Gründer oft über holprige Feldwege quälen. Wege, die viel zu oft im Nichts enden“, so Stockerl.

Das Problem? „Die aktuellen Finanzierungs-Strukturen fördern oft Modelle mit massiven negativen Auswirkungen auf Klima und Gesellschaft.“ Sozial-Unternehmerinnen und-Unternehmer hätten oft einen persönlichen Antrieb, ein bestimmtes Problem zu lösen, und halten deshalb auch unter schwierigen Bedingungen durch, weiß Stockerl. Das Ziel von Social Impact Republic, um soziale Innovationen leichter zu skalieren: eine neue Messlogik, die Wirkung datenbasiert bewertet. „Inlumna“ heißt das digitale Instrument, das Social Impact Republic unter der Federführung des Public Value Hub Leipzig entwickelt. „Der Maßstab für eine Bewertung soll dabei nicht primär der Unternehmenswert, sondern der gesellschaftliche Mehrwert sein“, erklärt Stockerl. „Kapital soll dort landen, wo es die größte Hebelwirkung entfalten kann, und nicht dort, wo der schnellste Exit winkt.“ Es brauche eine „echte Transformationsfinanzierung, die Impact und Profitabilität vereinen kann“, so Stockerl, der sich damit im erfolgreich gewachsenen UnternehmerTUM-Umfeld auf die Suche nach dem ersten Social Impact Unicorn machen will. „Alle kennen die Eine-Milliarde-Bewertung für ein Unicorn. Wir sagen: Ein Social Impact Unicorn bringt eine Milliarde nachweislich sozialen Mehrwert.“ Für Stockerl sind soziale Innovationen nicht „nice to have“, sondern gesellschaftlich relevant: „Wenn wir soziale Herausforderungen lösen, zahlt das auch auf das Vertrauen in den Staat und damit auf die Demokratie ein.“

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Michael Stockerl, Leiter der Digital Product School bei UnternehmerTUM und Initiator von Social Impact Republic

Wer ein Unternehmen mit Social Impact gründen will, trifft nicht nur auf Hürden bei der Finanzierung, sondern auch auf einen Dschungel aus Begriffen. Von Social Entrepreneurship über soziale Innovation bis hin zu Impact Startups oder gemeinnützigen GmbHs. Trennscharf sei all das nicht, bestätigt Kristina Notz, Leitung des Social-Startup-Hub Bayern und der Social Entrepreneurship Akademie (SEA). Doch das müsse es aus ihrer Sicht auch gar nicht sein. Im Hinblick auf die aktuellen ökonomischen, ökologischen und sozialen Herausforderungen sei es sogar wichtig, „die Dinge eher größer und zusammen zu denken“, meint Notz. Sie übersetzt das „Social“ deshalb auch nicht als „sozial“, sondern im Sinne von gesellschaftlich relevant, als Verbindung von Wirkung, wirtschaftlicher Tragfähigkeit und Nachhaltigkeit.

Die SEA als Bildungs- und Netzwerkorganisation für soziales Unternehmertum arbeitet dabei hochschulübergreifend vor allem über das Thema Qualifizierung und will Fähigkeiten rund um unternehmerisches Denken und Handeln in diesem Feld in die Hochschulen tragen. „Vor allem rund um die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, die SDGs, besteht große Nachfrage nach Qualifizierungsformaten“, so Notz.

Wer heute gesellschaftliche Herausforderungen lösen will, landet oft in der Sackgasse. Während wir für rein profitorientierte Geschäftsmodelle über Jahrzehnte 5-spurige Autobahnen gebaut haben, müssen sich wirkungsorientierte Gründerinnen und Gründer oft über holprige Feldwege quälen. Wege, die viel zu oft im Nichts enden.

Michael Stockerl

Getragen von der SEA berät zudem der Social-Startup-Hub Bayern kostenlos alle Gründungsinteressierten und Impact Startups, die mit ihrer Idee nachhaltig wirtschaften und einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen wollen. „Wir haben bereits mehr als 500 Teams und Einzelpersonen beraten und mit unseren Qualifizierungsformaten fast 50 000 Teilnehmende erreicht. Zu diesen Teams zählen etwa das inzwischen bundesweit erfolgreiche Unternehmen Recup oder das Startup inGemeinschaft. Das Ziel von Kristina Notz: Ein „Mittelstand mit Wirkung und das Skalieren von Impact.“ Dabei gehe es aus ihrer Beobachtung nicht nur darum, genügend Geld einzusammeln. Häufig stehen den Gründungsteams alte Glaubenssätze beim Wachstum im Weg. „Ihr dürft auch größer werden“, rät Notz gemeinsam mit ihrem Team immer wieder. Mit an Bord sind dabei auch Beiräte wie etwa Bernd Wendeln, der u. a. mit der Gründung von BonVenture als Pionier und Wegbereiter im Impact Investing gilt.

Größer denken, das will auch der Social Innovation Accelerator „socia“ vom Europäischen Social Economy Cluster Silicon Vilstal mit Sitz in Geisenhausen. Er zählt zu den großen Unterstützungsprogrammen für gemeinwohlorientierte Social Startups in der Vorgründungs-, Gründungs- und frühen Aufbauphase. Im Zentrum stehe hier eine Reallabor-Methodik, in dem Teams ihre Ideen gemeinsam mit Praxispartnern aus dem sozialen Sektor weiterentwickeln, erproben und auf Umsetzung vorbereiten können, so Initiator Helmut Ramsauer. Das Programm bietet jährlich 50 Teams Beratung, Coaching, Qualifizierung, Vernetzung und Sichtbarkeit, unterstützt die Weiterentwicklung eines Minimal Viable Products (MVP) und legt einen klaren Fokus auf Wirkung.

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Social Entrepreneurship Academy (SEA)

Auch die Landeshauptstadt München will das Thema Social Innovation mit einem eigenen Förder-Programm stärken, dem Munich Impact Incubator. „Wir unterstützen hier wirkungsorientierte Gründungsteams, die soziale oder ökologische Herausforderungen mit einem unternehmerischen Ansatz lösen wollen“, so Birgit Siepmann, verantwortlich für Impact Entrepreneurship und Social Innovation bei der Landeshauptstadt München. Getragen von der Münchner Wirtschaftsförderung munich business und dem Referat für Arbeit und Wirtschaft erhalten jeweils fünf Teams innerhalb von fünf Monaten Coachings, Zugang zum Netzwerk, Co-Working-Plätze im Munich Urban Colab sowie ein Impact Funding. Zu den Partnern gehört u. a. die Social Entrepreneurship Akademie. Die nächste Runde soll nach aktuellem Stand im Oktober 2026 starten, die Bewerbungsphase voraussichtlich im Juni 2026.

Dieser Artikel ist im Colab Quarterly mit Schwerpunkt Social Impact erschienen.